Back to the Hood

Mein Donnerstagsjob führt mich regelmäßig zurück in meine Hood und damit auch zurück in meine Kindheit und frühe Adoleszenz. Eine Zeit in der ich in einer Art englischen Kolonie gelebt habe, ich erinnere mich noch wie ich mit meinem Plastikschwert im Umzugswagen stand und die ganzen anderen Soldatenkinder mich beäugten.

Der Bonifatiusweg sollte für die nächsten 11 Jahre mein zu Hause werden. 11 Jahre in denen ich viel lernte z.B. das Vicar nicht Ficker bedeutete (Vicar ist das englische Wort für Pfarrer und in meiner frühen Phase des bilingularen Aufwachsen war ich noch sehr Sprachverwirrt), das mein Vater einen Streich bis zum Ende durchzieht auch wenn er dafür 1x eine Kiwi mit Schale essen muss, das meine Mutter auch Streiche liebte und mir eine Schüssel schwarzer Oliven als eine Schüssel Kirschen verkaufte und mir somit für viele Jahre Oliven verdarb, das ich keine Topfdeckel küssen soll wenn sie auf’m Herd stehen egal wie sehr ich denke das es ein schönes Gefühl ist (es ist keins), das ich auf irgendeine Art&Weise auch ein Ausländer bin (ja,ja ich weiss das heißt jetzt Mensch mit Migrationshintergrund), das man jemanden mit einem Baseball die Schulter anbrechen kann, das ich ein Schlüsselkind war (wobei mir Cora E. geholfen hat), das mein Vater schwarz ist und das wohl irgendwie für manche was schlechtes ist und somit Grund genug mich damit aufzuziehen, das meine Hautfarbe sich im Sommer von der der einheimischen Kinder abhob und sie diese Haut mit dem Begriff Kotze beschrieben, ich ein hohes Gewalt -und Aggresionspotenzial in mir hatte (habe), mein Vorname auch der Name eines russichen TV Bären war, das mein Vater das N-Wort in den Liedern die ich hörte nicht gut fand, das unter unserem Auto eine Bombe der IRA kleben könnte und und und.

Ich sprang zwischen verschiedenen Kultur -und Sprachkreisen, während ich bei meinen Großeltern die „deutsche“ Seite kennen lernte war es zu Hause die „englische“ bzw. „jamaikanische“ Seite. Obwohl von vielen Leuten Bärenkämpen als „Sozialer brennpunkt“ oder „schlechte Gegend“ empfunden wurde und immer noch wird verbinde ich wunderschöne Momente mit diesem „Ghetto“. Die Sommer im Melitta Bad die anscheinend aus Wassereis, Pommes, Nivea üben (ein Sprung irgendwo zwischen Bauchklatscher & Köpper), Gassen auf’m 5’er bilden damit man mehr Anlauf nehmen kann und roten Augen bestanden. Hier kam ich auch mit der kriminellen Szene in Berührung aus der ich mich doch mehr oder minder sehr gut raushalten konnte. Auch Sprachtechnisch habe ich in dieser Zeit viel erlebt die erste Zeit war recht einfach da mir die englische Sprache quasi in die Wiege gelegt/gesprochen wurde doch nachdem die englischen Alliierten aus Minden abgezogen wurden (meine Güte dieser Teil liest sich ja wie’ne Politik Hausaufgabe) kamen die Spätaussiedler und mit ihnen meine russisch Kenntnisse und dann gab es noch kleinere Ausflüge ins griechische, türkische und arabische. Eine Sprache von der ich dachte sie würde nur von den Sintis in Minden gesprochen war Buttjer oder, wie mir später bekannt wurde, Mindener Buttjersprache. Die Ausserhalb von Minden nicht bekannte und nicht nutzbare Sprache war ein großer Bestandteil meines jugendlichen Alltags und Sätze wie „Tik dich mal den Chalo an!“ („Guck dir mal den Typen an!“) waren in meinem Sprachgebrauch so üblich wie ein Hallo. Ich rede oft schlecht über Minden aber nie über Bärenkämpen weil ich nie vergessen werde was dieser Ort für mich gemacht hat. Luv 4 da Hood.

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2 Antworten zu “Back to the Hood

  1. Mein Gott, was hast Du durchgemacht? Habe ich ja alles nicht gewußt!!!!!!!! —- Aber ich habe Dich geliebt, obwohl Du mir den Teppich vollgekotzt hast nach dem Betriebsausflug, nach zuviel Cola und Pommes (ich hab`s Dir noch gesagt). Die Nacht habe ich mir um die Ohren geschlagen, Dir beim Kotzen zu helfen, Dich abzuwaschen, meine Decken in die Wäsche zu stecken (mitten in der Nacht) und mich mit Dir dann in neue Decken zu kuscheln, damit es Dir besser geht. Außerdem habe ich am nächsten Tag mit Deinem Roboter gespielt, den ich Dir gekauft hatte, weil ich wollte, daß Du glücklich bist.
    Aber trotzdem glaube ich, daß Bärenkämpen Deine soziale Ader aktiviert hat. Glückwunsch! Bist schon toll. Liebe Dich!

  2. Hey digga ,

    dieser blog eintrag hat mich echt berührt weisst ja warum.

    lg Costa

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