Integration dies, Integration das

Bevor du weiter liest will ich klarstellen das ich, als Deutscher mit englisch- jamaikanischen Migrationshintergrund ohne Konfession, in diesem Text nur für mich spreche. Ich bin/ will/ werde kein Sprachrohr der Deutschen mit Migrationshintergrund sein. Das hier sind meine Gedanken manchmal vielleicht nicht weiter gedacht aber funktionierend in meiner Realität (meiner Welt).

Es kann sein das der eine oder andere denkt dass ich dieses Thema schon längst hätte ansprechen sollen und jetzt ist es so oder so wieder out. WRONG!! Dieses Thema wird nie out sein das wurde mir um so deutlicher bewusst als es Thilo Sarrazin mit seinem „Deutschland schafft sich selbst ab“ geschafft hat es wieder „aktuell“ zu machen. (An dieser Stelle will ich klar stellen das ich das Bestseller Werk von Herrn Sarrazin nicht gelesen habe und es auch nich vorhabe denn so bald jemand Eugenik ins Spiel bringt um seinen Punkt deutlich zu machen bekomme ich einen Würgereiz. Ganz davon abgesehen das er seinen Train of Thought dann nicht konsequent zu Ende denkt denn nach seiner Logik wäre es besser wenn sich die mit den dummen Genen [ethnische Minderheiten, Menschen mit Migrationshintergrund, Ausländern und vor allem Moslems] nicht weiter Fortpflanzen. Wenn er so mutig ist wie viele im Laufe der Disskusion behaupteten dann hätte er das ja mal so ausprechen können).

Integration. Was soll das überhaupt bedeuten? Wann ist jemand integriert? Wer bestimmt das? Sind bayrische Menschen integriert? Ich habe viele kleine Verschwörungstheorien in meinem Kopf, eine besagt das eine kleine Masse mit großer Macht Integration in manchen (vor allem Machtbezogenen) Position gar nicht will. Anzeichen hierfür sehe ich viele. Ich warte auf den Politiker mit Migrationshintergrund in einer führenden Position. Natürlich ist mir Bewusst das Cem Özdemir Bundesvorsitzender der Bündnis 90/ Die Grünen ist. Aber wird er je Außenminister oder gar Bundeskanzler? Ok, ok Philip Rösler ist unser Gesundheitsminister (und dazu noch CDUler) aber dank seines Namen geht der eher als „richtiger“ Deutscher durch und wenn man bei der CDU Mitglied ist kann man ja auch von perfekter Integration sprechen. Wir können auch in die Welt der Medien gehen und nach Integration suchen. Welche (großen) Shows werden denn von Menschen mit Migrationshintergrund präsentiert. Ranga Yogeschwan, Cherno Jobatey, Yared Dibaba, Till Nassif und Nazan Eckes. Alle bis auf Eckes beim öffentlich Rechtlichen (was ein kleines Plus auf der Seite der öffentlich Rechtlichen sind). Aber in deutschen Serien sucht man „uns“ vergebens, zumindest in führenden Rollen und von der Werbung mag ich gar nicht sprechen.

Im alltäglich Leben sind die Barrieren sicherlich kleiner geworden aber immer noch da und sei es nur das man stetig daran erinnert wird das man anscheinend nicht zur deutschen/(weißen) Mehreheitsgesellschaft gehört. Wenn ich lange Haare hab merke ich dies über die Haare, also äußerlich, über fünf Ecken wollen die Leute wissen „woher“ ich denn die Haare habe ein „deutscher“ könne diese ja nicht haben. Wenn meine Haare ab sind merken die Leute an meinem Namen das ich vielleicht doch keiner von „ihnen“ bin „Cummings? Sind sie Engländer?“ Ähhhh habe ich rote Haare, trage ich eine Poppy am Kragen, bestelle ich ein Pint in der Kneipe oder singe ich bei der Beantragung meines neuen Personalausweises „God save the Queen“? Nein. Ich bin bestimmt kein Einzelfall. Natürlich geht die Disskusion eigentlich nicht um Nationalitäten (auch wenn oft von „Türken“ die rede ist) sondern um den Islam.

Also erstmal: Ich bin kein Moslem, ich habe in einer Phase meines Lebens ein wenig im Qur’an rumgeblättert das war es auch. Ich kenne einige Moslems, keiner von ihnen hat mich je versucht zu bekehren oder hatte vor das deutsche demokratische System zu unterwandern. Natürlich weiss ich woher die Angst & die Vorurteile herkommen, früher waren es Filme die den Islam mit Terrorismus gleichgestellt haben, heute sind es fast alle Informationsmedien die diese Schiene fahren. Die Angst vor dem Islam war schon vor „Deutschland schafft sich ab“ da,  vor den Kofferbomben in Köln,  vor den Anschlägen in London, vor dem 11. September sogar noch vor den Kreuzzügen. Die Angst vor dem Muselman geht wieder rum. Nach der Angst vor dem Fernsehen (wir wurden alle dumm dadurch), über Angst vor Gangster- Rap (alle werden Frauenfeindlich und kriminell) bis hin zur Internet- Angst (alle sind Pädophile und Raubkopierer) sind wir wieder im 13. Jahrhundert gelandet. Aber wenn man die Debatte verfolgt könnte man zu dem Schluss kommen das wenn man als Muslima/ Moslem geboren wird sofort eine Art „Moslemgen“ in sich trägt das einen dazu zwingt die Scharia in Deutschland einführen zu wollen. Es scheint auch so zu sein das alle Muslimas/ Moslems in Deutschland Türken oder Araber sind (und somit auch Ausländer daher wurde in vielen Medienberichten auch von Ausländern gesprochen obwohl ich mir sicher bin das man Deutsche mit Migrationshintergrund gemeint waren. Ein Begriff den man sich so hart erarbeitet hat und auf den man doch so stolz ist wurde mit Füßen getreten.) aber was ist den mit denen die hier geboren wurden und somit, sofern in Besitz des deutschen Passes, „deutsch“ sind? Oder gar  mit den 14.352 (1)  „deutschstämmigen“ Muslimas/ Moslems? Zur Verteidigung Deutschlands (richtig ich bin trotzdem Patriot, so richtig mit aufstehen bei der Nationalhymne (2)) muss ich sagen das es um uns herum genauso abgeht. Sei es Frankreich (mit der Front National und der wirklich abscheulichen Umgang mit den Roma), die Niederlande (mit Geert Wilders und der PVV), Dänemark (mit der Venstre), Östereich(mit den Freiheitlichen, Italien (mit Lega Nord) und über das Schweizer Minarett Verbot will ich erst gar nicht reden. Die Islamphobie deutete sich ja hier zu Lande mit der pro Köln Sache ja schon an und nahm dann eine gefährliche Richtung mit der pro NRW Sache. Warum haben die Menschen denn Angst vor Moscheen? Ich könnte die Bedenken verstehen wenn es eine 2. Hassan- II.- Moschee werden soll aber das war ja nicht der Plan. Fakt ist das die 950.276 (3) Muslimas/ Moslems mit deutschen Pass ein Recht auf  Religionsfreiheit haben und somit auch (nach meiner Meinung) auf einen Ort zum gemeinschaftlichen beten. Also besteht die Angst vor dem Islam wirklich nur daraus dass jede/ r Muslima/ Moslem ein Terrorist sein könnte? Oder das wir alle dümmer werden falls wir so verrückt sind eine/n Türkin/ Türken Kurdin/ Kurden Muslima/ Moslem zu heiraten und auch noch Kinder bekommen würden? Oder, und das ist ein Punkt an dem mir die Galle aus Nase, Ohren, Mund und Augen kommen könnte, weil die Kinder mit Migrationshintergrund oder muslimischen Kinder die deutschen Kinder aufgrund ihrer Herkunft und Kultur gehänselt werden? Schon mal daran gedacht das dies vielleicht Karma ist? Aber wenn ihr an so was nicht glaubt vielleicht liegt es daran das viele dieser Kinder genau so behandelt werden. Wenn es Lehrer gibt die nach den Anschlägen am 11. September einen arabischstämmigen Schüler was denn da ihre Verwandten in New York angerichtet haben,wenn man von seinem Mitschüler gesagt bekommt das die eigene Haut aussieht wie Kotze weil sie so bräunlich ist oder wenn manche Leute türkische (oder mit türkischen Migrationshintergrund) Mitbürger als Kanacken beschimpfen dann wird das irgendwann zurückkommen. Es geht sogar so weit das manche Eltern ihren Kindern raten ihren migrantischen Hintergrund zu verschweigen. „Du Kartoffel!” habe ich nur gesagt damit ich irgendwie auf das N- Wort, Mulatte und Kanacke antworten konnte. Ich bin natürlich gegen körperlich Gewalt und heiße diese auch nicht gut aber haben die Leute wirklich gedacht dass es keine Antwortet auf die jahrelangen Repressalien gibt?

Doch wie integriert man sich? Wer bestimmt wann man integriert ist? Ich glaube es ist unmöglich integriert zu sein, also als integriert zu gelten. Man kann mit Lederhosen in München im Biergarten sitzen mit Edmund Stoiber über den Wirtschaftsstandort Bayern sprechen und ihm dabei seinen neuen Personalausweis zeigen aber wenn man schwarzer Deutscher ist wird man wohl doch oft gefragt „Woher kommen sie denn?”. Denn das wird wohl auch Django Asül gefragt und wenn er dann darauf Antwortet Deggendorf werde viele nicht befriedigend sein.

Auf der anderen Seite bin ich auch dafür das sich zugewanderte integrieren sollten, ohne ihnen ihre „andere“ Identität/ Kultur zu verbieten. So welche Leute sind mir aber sehr selten vorgekommen und wenn ja habe ich ähnlich wie Harris darauf reagiert.

(direktnureinaugenblick)

Lasst uns doch bitte nicht wieder auseinanderdriften  nachdem es in letzter Zeit eigentlich doch ganz gut zwischen „uns“ so gut geklappt hat. Wir sind hier zusammen haben sehr ähnliche Probleme und sind als aller erstes Menschen und nicht Muslimas/ Moslems, Türken, Deutsche, Araber, Engländer, CDUler, Grüne sondern Menschen. Einziemliches pathetisches und weltfriedliches Ende für diesen Text aber am Ende gibt’s da ja doch noch so was wie Hoffnung

1= siehe Islam- Archiv

2= Ist nur spaß (ich will das so einfach noch mal klarstellen)

3= siehe Islam- Archiv

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2 Antworten zu “Integration dies, Integration das

  1. Sehr schöner Artikel! Auf die gleichen Fragen sind wir währen unseres Projektes „Migrants in Germany“ auch gestoßen. Migrants in Germany ist ein Film, der die Klischees gegen Ausländer widerlegen soll und etwas Klarheit zu schaffen.
    Ich bin mal so dreist und poste einen Link

  2. um es in unserer sprache zu sagen mein Freund…LATSCHO BERICHT

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