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Conclusion

Ich schreibe diesen Text um 5:17 Uhr (AM) denn in einigen Stunden ist das Jahr 2012 Vergangenheit (völlig außer Kontext fällt mir eine Line von Torch ein “ Vergiss die Zukunft das ist die Zeit in der du eben warst“ vor einigen Stunden saß ich mit alten Freunden an einem großen Tisch und genoß ein salzige Essen und den unleckersten Long Island Ice Tea den ich für 9 € bekommen hab. Das Jahr in der allerhand passierte in meinem, eurem und deren Leben, da mag man jetzt noch nicht sehen aber glaubt mir bei euch ist einiges passiert. Doch über das Jahr aus eurer Sicht könnt ihr selber schreiben hier wird über meines berichtet.
Damit wären wir auch schon bei einem großen Punkt, Berichte mehr, mehr, mehr

Nichts bereuen?

Eine Aussage die ich oft höre und die ich bestimmt auch schon des öfteren getätigt habe. „Weisst du ich möchte mit 50 nicht auf mein Leben zurückblicken und sagen hätte ich mal dies hätte ich mal das. Ich will nichts bereuen.”. In diesem Zusammenhang hört man dies oft, ich bin bald 28 und habe rückblickend einiges zu bereuen.

Hätte ich meine Schwester als ich 15 war mal nicht durch die Glastür geschubst. Wäre ich mit 17 doch für ein Wochenende mit Rainbow Tours nach Paris gefahren. Warum habe ich nicht weiter mit Sebastian gerappt?/Warum habe ich aufgehört mit rappen? Warum habe ich Costa damals nicht mehr ins Gewissen geredet? Warum habe ich ihr nicht gesagt was ich für sie empfinde anstatt es einfach verlaufen zu lassen? Wieso habe ich nicht noch 1 Jahr auf’s studieren gewartet und bin nicht nach Norwegen gegangen um auf’m Bauernhof zu arbeiten?

Das sind wohl die größten Dinge die ich bereue, für manch einen ist das nicht weltbewegendes Zeug doch meine Welt hat es bewegt. Ich weiss auch nicht ob dieser Eintrag nur entsteht weil ich auf die 30 zugehe (obwohl ich wirklich kein Problem damit habe) und sehe wie viele meiner Weggefährten fertig mit ihrem Studium sind (das ich es noch nicht bin habe ich zu 85% mir selbst zu zuschreiben), voll im Berufsleben stehen, verheiratet sind, Eltern sind oder ob ich vielleicht doch wieder zu viel Zeit mit Selbstreflexion verbringe?

Ausblenden

Metallisch. Sein ganzer Mund schmeckte danach. Erst dachte er das Wasser würde ihm im Munde zusammenlaufen doch dafür gab es keinen Grund.
Sein Körper durchzuckte es immer wieder, von irendwo her hörte er Stimmen und dumpfe Geräusche. Es war ihm so als würde er immer wieder einblenden, die Einblendungen bzw. Ausblendungen waren nur einige Sekunden lang. Er bemerkte das er auf Betong lag was ihm sehr merkwürdig vorkam da es einer der kältesten Winter seit Jahren war und der Betong besonders kalt sein müsste doch er spürte nichts von der Kälte.
Er hustete, es wurde ihm warm an der Wange er konnte seinen Kopf ein wenig anheben und sah die Flüssigkeit sie sah rot aus, sie dampfte doch bevor er irgendwas denken konnte blendete er wieder aus. Als er wieder einblendete bemerkte er das er hochgehalten wurde, eine Person stand vor ihm, das Gesicht konnte er nicht erkennen, sie schien ihn anzuschreien doch er hörte nur dumpf „Wer ist jetzt ein Hurensohn?“ irgendwas glänzte in der Hand der Person. Plötzlich merkte er einen Stich im Bauch es tat kurz weh und er wurde wieder zu Boden fallen gelassen.

„26 jähriger Mann mit Stichwunde in der Bauchhöhle, Platzwunden am Schädel. Person ist nicht Ansprechbar.” er hörte die Worte und öffnete die Augen, irgendwas bedeckte seinen Mund alles war voller Blut. Die Frau in der roten Jacke bemerkte das er die Augen offen hatte „Herr Wernum? Herr Wernum? Können sie mir sagen was passiert ist?”. Er blendete wieder aus sein ganzer Körper wurde warm alles geriet in eine nicht zu greifende Ferne, alles wurde still.

Einge[klemmt] #3 oder ein Leben in Anführungszeichen

Ich bin eingeklemmt zwischen Hautfarben. Eingeklemmt zwischen Schwarz und Weiß. Als Kind war ich „schwarz“, auf jeden Fall zu „schwarz“ um ein „weißer“ „deutscher“ zu sein für die anderen Kinder war ich der N###r vielleicht auch mal eine Kanacke. Für die „schwarzen“ war ich ein möchtegern N###a oder neu amerikanisch Wigga.

Auf der Hauptschule war ich dann der N###a ich fühlte mich als N###a mir wurde deutlich gemacht das ich einer bin, im „negativen“ wie im „positiven“. Mein Vater war für mich als Kind nicht „schwarz“ meine Mutter nicht „weiß“ sie waren Mama & Papa. Ich verstand nicht warum ich nicht in die Schule durfte nach dem ich im Sportunterricht „Wer hat Angst vor’m schwarzen Mann?“ gespielt hatte, ich verstand nicht warum mein Papa wütend darüber war das ich auf dem Kindergeburtstag „N####kuss Wettessen“ gespielt habe, ich verstand nicht warum mein Papa nicht wollte das ich amerikanischen Rap hörte.

Ich verstand vieles nicht was ich heute verstehe weil ich mich nicht als „schwarz“ verstand. Heute verstehen andere mich nicht z. B. wenn ich es nicht als „cool“ empfinde wenn man mich mit wissen um meinen „schwarzen“ Hintergrund N###a nennt und das ja als „Kompliment gemeint” ist oder wenn ich es nicht all zu lustig finde wenn „weiße“ sich schwarz anmalen lassen um einen „schwarzen“ zu spielen (das ist mit dem Hintergrundwissen um Blackface und dem Minstrel Shows vielleicht besser verständlicher). Manch einer der mich rein äußerlich kennt fragt sich vielleicht „Warum macht der denn jetzt so’n Faß auf? Der ist doch gar nicht schwarz.” genau ich bin nicht „schwarz“ ich bin nicht „weiß“ ich bin beides. Ich bin ein „Schwarzer“[ich] „Weißer“ oder ein „Weißer“[ich] „Schwarzer“ und das ist mir wichtig anderen muss es nicht wichtig sein aber sie sollten es tolerieren denn ich tolerieren auch wenn andere sagen das sie nichts gegen Ausländer haben aber die Türken fangen immer die Schlägereien an.

Eingeklemmt zwischen Schwarz /ich/ Weiß.

Ihre grüne Jacke

Sie ist der einzige Mensch den ich kenne der im Schlaf eine Gänsehaut bekommt. Ich hoffe sie wacht jetzt nicht auf.
Gestern aßen wir Tortellini in Schinken- Sahne Soße, ihr Lieblingsgericht. Aus irgendeinem Grund gibt sie immer ein bisschen Kurkuma dazu ich mag das zwar nicht aber das sag ich ihr nicht. Ihre Atmung wird schneller und unruhiger, scheint als ob sie wieder diesen Traum mit ihrer Schwester hat. Seit ihre Schwester krank ist hat sie diesen Traum öfter obwohl sie gerne sagt dass es nicht so ist.
Nach dem sie aufsteht geht sie in die Küche um ihren Tee zu trinken wie jeden Morgen, sie macht ihn immer in der Teekanne die ich ihr zum Geburtstag geschenkt habe. Wie immer steht sie vor ihrem Schrankspiegel und begutachtet ihre Schultern, sie hält sie für zu breit sie erinnern sie an eine Schwimmerin mir würde sie das nie sagen aber wenn sie mit Larissa spricht erwähnt sie dies öfter. Heute ist ihr freier Tag also setzt sie sich an ihr Nebenprojekt, einen Spielplatz. Ihr Handy klingelt, ich höre wie sie sagt „Frank!”. Frank. Frank war ein Typ den sie letztes Jahr auf der Geburtstagsparty von Larissa kennen gelernt hat und mit dem sie sich zwischendurch immer mal wieder getroffen hat, in letzter Zeit öfter. Was ich davon halte scheint sie nicht zu intressieren. Sie verabredet sich mit ihm im „Naive“, ausgerechnet im „Naive“ dort wo ich sie das erste mal sah. Sie zieht sich ihre grüne Jacke an, bei der sie sich den Kragen immer so hoch klappte dass ihr Mund und ihre Nase nicht mehr zu sehen sind. Ich hör nur noch wie die Tür zu geht noch nicht mal ein „Tschüss” gibt sie von sich. Nach ein paar Stunden kommt sie wieder rein, mit diesem Lächeln in das ich mich so unsterblich verliebt hatte, dieses Lächeln das ich schon so lange nicht mehr gesehen habe. Sie klappt das Laptop auf und der Bildschirm erwacht sofort, das Fenster mit dem Spielplatzprojekt minimiert sie und öffnet Twitter und gibt in das leere Textfeld nur 2 Zeichen ein: <3. Was denkt sie sich denn dabei? Denkt sie ich lese das nicht? Hat sie veegessen das ich sie followe? Plötzlich klingelt es an der Tür. Es ist Frank er habe Larissa angerufen um zu erfahren wo sie wohnt und wollte ihr noch was sagen, sie gucken sich sehr lange an.
Ich schalte alle 7 Bildschirme und die Lautsprecher aus. Von Nebenan höre ich nur wie die Tür zugeschlagen wird aber keine Schritte also ist er bei ihr geblieben. Ich schaue mir das Foto von ihr auf meinem Schrank an und muss weinen. Die Nacht über habe ich sehr unruhig geschlafen als ich mich auf den Weg zur Arbeit mache begegne ich auf dem Flur Frank, er kommt gerade aus ihrer Wohnung, er schließt die Tür so leise er kann. Ein lächeln huscht über sein Gesicht. Als er mich sieht nickt er mir zur Begrüßung zu ich sage: „Guten Morgen, Frank.”. Im vorbeigehen höre ich noch wie er fragt: „Kennen wir uns?“ ich gehe weiter und beachte ihn nicht.

Einge[klemmt] #2

Ich bin eingeklemt/ eingeschränkt zwischen Kulturen/ Ländern/ Sprachen. Als Kind habe ich englisch gehört/ gesprochen/ geträumt und in der Schule sollte ich dann deutsch sprechen. Jetzt höre/ spreche/ träume ich in deutsch und für die Uni soll ich Bücher in englisch lesen. Ich bin eingeklemmt zwischen die Hand die nicht zum Essen benutzt wird bleibt unterm Tischen und die Hand die nicht zum Essen benutzt wird kommt auf den Tisch, eingeklemmt zwischen Quid und Mark (jetzt €uro), zwischen Pommes Schranke und Fish & Chips, zwischen ASDA und Real, zwischen BVB und Man U, Queen und Kanzlerin, zwischen Oma England und Oma Deutschland, zwischen Coronation Street und Lindenstraße, zwischen Minden und Bury, zwischen Geschenke Abends am 24.12 auspacken und Geschenke Morgens am 25.12 auspacken, zwischen Fuck und Scheiße, zwischen Frühstück mit Brötchen und Breakfast mit Sausages, zwischen Monster Munch und Salzstangen, zwischen dreiundachtzig und eightythree, zwischen BBC und ARD, zwischen Otto und Lenny Henry, zwischen RAF und IRA, zwischen Manc und Ostwestfale, zwischen Tesafilm und Blue Tack, zwischen Cadbury und Storck, zwischen, zwischen Pumuckl und Postman Pat, zwischen 2 Finger zum Frieden erheben und 2 Finger zur Beleidigung erheben, zwischen „God save the Queen“ und Deutschlandlied, zwischen Kraut und Tommy, zwischen England und Deutschland.

Eingeklemmt zwischen mir und mir.

Einge[klemmt]

Ich fühle mich eingezwängt, eingeklemmt zwischen Schichten/ Millieus/ Klassen. Als Kind untere Schicht, uns ging es nicht schlecht aber mir wurde schnell durch andere klar gemacht das ohne Scout, Amigo, Lamy, Pelikan, Adidas oder Nike es nichts wird mit’ner höeren Schicht.

Jetzt soll ich angehender Akademiker sein und Leuten die mich früher aufgrund von Milleuszugehörigkeit mieden/ unterschätzten/ nicht wertschätzden als Komolitonen akzeptieren, Leute die von meinem Hintergrund nichts wissen die Leute mit meinem Hintergrund in ihren Klassen nicht missen.Warum ist es so dass wenn mich Gruppen in der Uni Halle wegen meiner Haare auslachen ich sie nicht beachte anstatt zu sagen: „Komm raus du Hurensohn wir können das draußen klarmachen!”. Nein, nein das geht nicht mehr ich bin jetzt Student, ich bin gebildet, ich soll mal mittlere Bildungsschicht sein ich will nicht dass die Leute wenn sie mich sehen „Bildungsferneschicht!” schrein.
Also muss ich meine Ellenbogen einsetzen, etwas was mir die Bildungselite schnell beibrachte, um mir Platz zu schaffen in diesem Raum, um mich von dieser Beklommenheit zu befrein.